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HOMOEOPATHIE: Psychotherapie ohne Therapeut ?

 

N.B. Dieser Text basiert auf einem Interview durch Frau Karin Müller für die Zeitung Annabelle. Diese Version von mir wurde nicht angenommen. Nur ein Teil dieses Interviews wird - neben Aussagen von anderen Personen - in Mai erscheinen.

Seelische Fitness durch Kügelchen, gibt es das ? „Ja, bestimmt !“ antwortet Dr.med. Marc Muret, Facharzt für Homöopathie.

Homöopathie ist eine ganzheitliche Therapie, die den Menschen körperlich, geistig und seelisch erfasst. Darum wird jeder neuer Patient sehr ausführlich und persönlich befragt, egal ob er wegen eines Schnupfens, eines Rheumas oder einer Depression den Homöopathen aufsucht. Eine Methode, die besser bei Frauen ankommt. Sie sind gewohnter über sich und ihre Gefühle frei zu reden. „Durch Eisprung und Perioden, Schwangerschaften, Menopause, Kindererziehung, nehmen Frauen ihre eigenen Körperveränderungen  und Gefühle viel schneller wahr als die meisten Männer“.

Ziel der Homöopathie ist es, die gestörte Lebenskraft wieder ins Gleichgewicht zu bringen. „Unter Lebenskraft verstehen wir die Energie, welche den Menschen belebt. Ist diese Kraft stark genug und in Balance, wehrt sie jeden Angriff auf die Gesundheit problemlos ab „. In dieser Hinsicht kennt man vor allem die Wirkung der Homöopathie bei einer akuten Infektion oder einer chronischen körperlichen Krankheit. Kann sie auch auf  seelische Prozesse einen nachhaltigen Einfluss haben?

„Schon vor 200 Jahren interessierten sich die ersten Homöopathen  sehr für die Seele. In unserem Repertoire von Symptomen ist die Psyche das erste Kapitel !“ präzisiert Marc Muret. „Eine homöopathische Behandlung hat immer gleichzeitig eine wohltuende seelische Wirkung. Nur so weiss ich, dass das gewählte Mittel richtig war“

Doch wie findet der Homöopath aus der Fülle von Substanzen für jeden Patienten die geeignetste ? Allein gegen Kopfweh existieren 300 Mittel. 425 sind’s bei Traurigkeit und 244 gegen Angstzustände. Dr Muret : „Das Gespräch mit dem Patienten muss sehr sorgfältig geführt werden. Die Mimik, der Ton, das Ungesagte sind oft wichtiger als die Worte. Nicht die Krankheit sondern die Person ist im Zentrum. Ich will erfahren, was macht diesen Menschen so speziell und einzigartig. Dann kann ich das Mittel verschreiben.“ ...  „Der Persönlichkeitskern des Patienten wird nicht verändert“ beruhigt Dr.Muret auf die Macht seiner Arbeit  angesprochen „es ist eher, wie man in  Computersprache sagt, eine Optimierung. Meist fühlen sich die Leute nach einiger Zeiten ruhiger, innerlich mehr zentriert, geerdet. Sie können besser Entscheidungen treffen, sich wehren, Abstand nehmen“.

Marc Muret hat deshalb in seiner Praxis in Zürich schon die erstaunlichsten Geschichten erlebt : „Ein junger Mann kam zu mir, weil er unter Bauchkrämpfen litt. Ich erfuhr, dass er sich hat scheiden lassen und ins Kloster eintreten wollte. Er bekam Natrium Mur (Meersalz), ein Mittel für introvertierte Personen. Nach zwei Monaten waren seine Krämpfe verschwunden. Mehr noch, er überlegte sich nochmals, ob er wirklich Mönch werden wollte. Wiederum zwei Monate später teilte er mir mit, dass er aufs Kloster verzichte und wieder regelmässigen Kontakt zu seiner Ex-Frau habe“.

„Eine Frau konsultierte mich wegen diversen Probleme. Als sie wieder einmal eine Bindenhautentzündung hatte, riet ich ihr diese einfach nach ihrem konstitutionellem Mittel Sepia (Tintenfisch) zu greifen. Einige Wochen später sagte sie mir, es sei erstaunlich, ihre Depression sei weg. Seit wann hatte sie diese gehabt, wollte ich wissen. Seit 10 Jahren als ich die gleiche Augenentzündung mit Cortisontropfen behandelt hatte, war ihre Antwort.“ 

Auch wenn es oft so einfach tönt warnt Dr Muret vor Selbstmedikation. „ Ich weiss von einem Fall, wo Ignatia, das Standardmittel bei Trauer und Liebeskummer, besonders schlecht gewirkt hat. Die Tränen waren schnell verschwunden, aber diese Frau – ihr Grundmittel war Sepia – konnte plötzlich ihre Gefühle nicht mehr spüren. Sie isolierte sich von ihrer Familie. Erst nach Sepia kamen die Tränen wieder und sie konnte eine normale Trauerarbeit leisten. Die Idee, dass Homöopathie keine Nebenwirkungen haben kann ist einfach falsch !“

Kann Homöopathie auch ernstere psychische Krankheiten wie Psychosen behandeln ? „ In seltenen Fällen, wo die Patientin noch keine Psychopharmaka bekommen hatte, konnte ich erfolgreich akute Wahnvorstellungen heilen. Natürlich muss man seine eigenen Grenzen kennen. Bei einer schwerer psychischen Krankheit muss man meistens schulmedizinisch vorgehen“.

Dafür kann die Homöopathie gerade bei Charakterstörungen, POS Kindern und Essstörungen oft helfen, wo die klassische Psychiatrie sich sehr schwer tut. „Ich bin immer wieder verblüfft zu sehen, wie – wenn das Mittel stimmt – die Homöopathie unheimlich schnell und effizient wirkt. Um so mehr bin ich frustriert, wenn ich dieses nicht finde !“

Braucht es keine Psychotherapie ? „Ich lasse das Mittel wirken und benütze nur soviel Gespräch, wie nötig ist. Die Homöopathie ist eine Psychotherapie ohne Therapeuten sage ich manchmal. Aber ab und zu, weckt das Mittel beim Patienten das Bedürfnis eine Therapie anzufangen“.

Homöopathie ist faszinierend, weil sie die Grenzen zwischen Körper und Psyche sprengt. „Eine harte Arbeit ist sie, aber Wunder und Freude erwarten jeden, der sich ihr ernsthaft widmet“ fasst Dr Muret zusammen.

© Dr.med.Marc Muret